Große Eröffnung am 70. Jahrestag der Währungsreform

Einen Monat nach der festlichen Einweihung mit Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier ist das Ludwig-Erhard-Zentrum (LEZ) nun auch der interessierten Öffentlichkeit zugänglich. Stargast bei der Eröffnung am 20. Juni war der Journalist und TV-Moderator Günther Jauch. Unter den Gästen waren zudem LEZ-Ausstellungskurator Prof. Daniel Koerfer und die ehemalige Hausdame im Bonner Kanzlerbungalow Elisabeth Leutheusser von Quistorp.

Vor allem Letztere zog als Zeitzeugin und Vertraute des ehemaligen Bundeskanzlers, Bundeswirtschaftsministers und „Vater des Wirtschaftswunders“ die Besucher des Eröffnungstages in ihren Bann. „Das war ein 24-Stunden-Job“, erklärte Leutheusser von Quistorp im Gespräch mit LEZ-Initiatorin Evi Kurz und Günther Jauch. Unter Erhard, den sie, wie sie anmerkte, nicht mit „Herr Bundeskanzler“, sondern mit „Herr Professor“ anredete (O-Ton Erhard: „Bundeskanzler kann jeder werden, aber Professor nicht“), habe es im Bungalow sehr viele Abendveranstaltungen mit Vertretern nicht nur aus Wirtschaft und Industrie, sondern auch aus Kultur und den Geisteswissenschaften gegeben. Gefragt, was der 1977 verstorbene Ex-Kanzler heute über das LEZ sagen würde, antwortete Elisabeth Leutheusser von Quistorp: „Er würde Evi Kurz und dem Ludwig-Erhard-Initiativkreis Fürth e.V. um den Hals fallen und wäre zu großem Dank verpflichtet.“ Ebenso der Stadt Fürth, dem Freistaat Bayern und dem Bund, die gemeinsam mit zahlreichen privaten Unterstützern das 18-Millionen-Projekt realisiert haben.

Von der hohen Qualität der Ausstellung, dem umgestalteten Geburtshaus Ludwig Erhards und den Lernorten für Schüler und Studenten zeigte sich neben hunderten Bürgerinnen und Bürgern auch Dr. Ingeborg Bergreen-Merkel, Ministerialdirektorin a.D. beim Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien und Mitglied im Kuratorium der Stiftung Ludwig-Erhard-Haus, begeistert. Gemeinsam mit Kurator Prof. Daniel Koerfer und Dr. Michael Henker, Leiter a.D. der Landesstelle für die nichtstaatlichen Museen in Bayern, erinnerte sie an die Entstehungsgeschichte des LEZ. Evi Kurz habe „liebenswürdig und sehr ausdauernd“ dafür geworben. Das Ergebnis könne sich mehr als sehen lassen, wie Michael Henker betonte, der im wissenschaftlichen Beirat des LEZ wirkt: „Das Zentrum ist eine mutige Adresse, gerade direkt neben dem Rathaus.“ Die in Teilen der Fürther Bevölkerung umstrittene Architektur sei „eine gelungene Ergänzung, die das Ensemble aufbricht.“

Aufgelockert durch einen Auftritt der beiden Fürther Kabarettisten Volker Heißmann und Martin Rassau sowie ein Ludwig-Erhard-Quiz „Was weiß Günther?“ mit Moderator Günther Jauch, der von Prof. Daniel Koerfer befragt wurde, fand das Rahmenprogramm mit einer Diskussionsrunde seinen Abschluss. Moderiert durch den Historiker Koerfer debattierten Günther Jauch mit Fürths Oberbürgermeister Thomas Jung, BDI-Präsident Dieter Kempf und der Wirtschaftswissenschaftlerin Monika Grimm auf dem Podium im Rathausinnenhof über „Die Herausforderungen der sozialen Marktwirtschaft heute.“ Dabei schlossen sowohl der SPD-Politiker Jung als auch der Arbeitgebervertreter Kempf stellvertretend für ihre Partei beziehungsweise ihre Vereinigung posthum Frieden mit Ludwig Erhard. Denn Sozialdemokratie wie Industrie standen – aus ganz unterschiedlichen Gründen – Erhards Plänen und Konzeptionen seinerzeit sehr kritisch gegenüber. Die SPD sei „zu 100 Prozent“ mit Erhard versöhnt, betonte Jung, der zudem an eine „besondere Fehlleistung“  der Fürther Sozialdemokraten erinnerte. Diese hatten zu Erhards Lebzeiten zwei Mal die Verleihung der Ehrenbürgerwürde mit ihrer Rathausmehrheit abgelehnt. Damit habe man der Stadt einen ideologischen Schaden zugefügt, der mit der Errichtung des LEZ nun endlich behoben sei.

Dass das nun nach zweieinhalb Jahren Bauzeit eingeweihte Zentrum künftig auch als Lern- und Studienort gefragt sei, stellte Daniel Koerfer ohne Umschweife klar. „Meine Studenten haben überhaupt keine Ahnung von Ökonomie“, monierte er, deshalb sei die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit Erhard so wichtig. Er begrüßte auch die geplante Zusammenarbeit der wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Friedrich-Alexander-Universität  (FAU) mit dem LEZ. „Es gibt weltweit keinen einzigen Lehrstuhl für soziale Marktwirtschaft“, so Koerfer.

„Es ist und bleibt der letzte Zweck jeder Wirtschaft, die Menschen aus materieller Not und Enge zu befreien.“

Polygonillustration von Ludwig Erhard