Interzonenkonferenz am 11.09.1946 in Frankfurt am Main: Beratung der Wirtschaftsminister und Sachverständigen der britischen und amerikanischen Zone, 3. von links: Ludwig Erhard
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1945 – 1948

Der Wirtschaftspolitiker Ludwig Erhard – die Anfänge

Nach dem Krieg nimmt die politische Karriere des parteilosen Wirtschaftsfachmanns Erhard rasch Fahrt auf: Aus seinem Posten als Wirtschaftsreferent seiner Heimatstadt Fürth wird er schon nach wenigen Monaten im Oktober 1945 von der amerikanischen Militärregierung in die von Ministerpräsident Wilhelm Hoegner (SPD) geführte Bayerische Staatsregierung berufen – als „Staatsminister für Wirtschaft“. 1947 wird Erhard mit der Leitung der Expertenkommission „Sonderstelle Geld und Kredit“ bei der Verwaltung der Finanzen der britisch-amerikanischen Bizone betraut, die an der Vorbereitung der Währungsreform beratend mitwirken soll. Außerdem wird er durch den bayerischen Staatsminister für Unterricht und Kultus im November 1947 zum Honorarprofessor für Volkswirtschaftslehre an der Staatswissenschaftlichen Fakultät der Universität München ernannt.

Auf Vorschlag der FDP wählt der Wirtschaftsrat der Bizone am 2. März 1948 Ludwig Erhard zum Direktor der Verwaltung für Wirtschaft und überträgt ihm damit die Verantwortung für die Wirtschaftspolitik. Mit seinem „Leitsätzegesetz“ lässt er sich vom Wirtschaftsrat bevollmächtigen, parallel zur Einführung der D-Mark die Zwangsbewirtschaftung aufzuheben und die Preise freizugeben – eine mutige Weichenstellung, die als grundlegend für das spätere „Wirtschaftswunder“ gilt. Doch zunächst ist seine Wirtschaftspolitik heftig umstritten: Die Reformen führen zu hohen Preissteigerungen, was am 12. November 1948 einen Generalstreik der Gewerkschaften auslöst. Erst das einsetzende Wirtschaftswachstum Anfang der 50er Jahre bestätigt seinen Kurs.